JEDE LAUTÄUSSERUNG IST EIN KLANG . Peter Geiger (Kulturredaktor, Der neue Tag – Amberger Zeitung)
Skype-Interview mit dem in Vilseck geborenen Künstler Albert Braun und
den Schweizern Susanne Schär & Peter Spillmann

Nürnberg. Albert Braun und das Künstlerpaar Susanne Schär & Peter Spillmann verbindet eine lange Freundschaft, aus der bereits einige gemeinsame Projekte hervorgegangen sind. Bei der bis am 24. November in der KREIS Galerie am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehenden Ausstellung „VOM ZWEI- ZUM DREIKLANG – Streifzüge“ haben sich die drei Künstler entschlossen, miteinander zu „jammen“. Dabei setzt sich jeder einzelne intensiv und lustvoll mit der Position der anderen Beteiligten auseinander.
Im als Skype-Konferenz geführten Gespräch mit der Kulturredaktion äußern sich die Drei unter anderem zu den Materialien wie Dachlatten, Tarnnetze oder Schraubzwingen, die bei der Ausstellung zum Einsatz kamen.


Sie sind zwar alle drei bildende Künstler, dennoch prägt das Musikalische ihre Ausstellung sehr stark. In der Ankündigung jedenfalls ist viel von Klängen und Dissonanzen die Rede, von Komposition und Improvisation?
Peter Spillmann: Jede Lautäußerung ist ein Klang, auch die Konversation, die wir gerade führen. Und die Objekte machen für sich ja auch Geräusche – die Tarnnetze beispielsweise; wenn man die berührt, dann surrt es. Eigentlich heißt es in Ausstellungen ja: Berühren verboten! Aber das ist bei uns ganz anders!
Albert Braun: Unsere Idee war, Nicht-Fertiges mitzubringen und zu schauen: Finden wir ein gemeinsames Vokabular? Wir haben uns für den Aufbau mit 10 Tagen auch ungewöhnlich lang Zeit genommen.
Sie arbeiten mit Schraubzwingen und mit Dachlatten, und eben auch von Tarnnetzen ist die Rede: Das liest sich ja wie aus dem Baumarkt-Katalog!
Braun: All diese Materialien haben persönlich mit uns zu tun: Die Tarnnetze beispielsweise, die gehen auf meine Jugend zurück. In jedem Bierzelt bei uns in Vilseck wurde die Bar auf diese Weise dekoriert und so vor unerwünschten Blicken abgeschirmt. Ich hatte das eigentlich schon wieder vergessen und bin erst letztes Jahr wieder draufgekommen, als ich mit meiner Familie am Bürgerfest in Gressenwöhr war.
Vom Künstlerpaar Schär/Spillmann wiederum stammt der Begriff „Streifzug“, den sie künstlerisch ausdeuten ...
Spillmann: Wir sind viel unterwegs, zuletzt sechs Monate in Australien – und von solchen Reisen, die wir tatsächlich als Streifzüge betrachten, bringen wir ganz viel mit ...
Susanne Schär: ... und diese Spuren, die solche Erinnerungen hinterlassen, die nehmen wir auf, und aus denen beziehen wir dann wiederum das Material in Gestalt von Filmen oder Tonaufnahmen für unsere Installationen.
Braun: Konkret gesprochen: Es gibt Videos auf Bildschirmen zu sehen, die in Tarnnetze implantiert sind, Kameras, Bierbänke, eine große Bar, und schließlich einen Hochsitz, von dem aus alles überwacht wird.
Das heißt: Sie beackern das Diskursfeld, das sich zwischen Begriffen wie Lauschangriff und Bundestrojaner eröffnet?
Schär: Der spannende Punkt ist: Der Besucher beobachtet und wird beobachtet. Und damit stellen wir natürlich genau die Frage: Wo endet Privatheit und wo beginnt Öffentlichkeit?
Am 24. November ist Finissage. Was gibt es da zu erleben?
Braun: Bis dahin werden sich vielleicht diverse Pflanzen entwickelt haben, die wir unter den Tarnnetzen mit Hilfe von Tageslichtleuchten hochpäppeln wollen. Und: Aus Vilseck wird die „Phil Seccer Band“ kommen und ihren Drei-Mann-Country beisteuern. Die Amis in der Oberpfalz, die werden zum Abschluss also tatsächlich musikalisch thematisiert.
Der neue Tag – Amberger Zeitung, 22. November 2012 > download PDF

Albert Braun
*1958 in Vilseck/D.
Lebt und arbeitet in Nykarleby/FIN.
> www.albert-braun.net
Susanne Schär & Peter Spillmann
*1967 in Bern/CH, *1964 in Altdorf/CH.
Leben und arbeiten in Basel/CH.
> www.supe.ch
KREIS Galerie
am Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg/D.
> www.kreis-nuernberg.de
Abbildung: Ausstellungsplakat